Die Schuhgröße gibt nur einen groben Anhaltspunkt für die Länge. Ob ein Steigeisen wirklich passt, hängt von der Form und Steifigkeit der Sohle, von vorhandenen Aufnahmen am Stiefel, vom Bindungstyp, vom eingestellten Verbindungssteg und vom Zustand des jeweiligen Paares ab. Aus diesem Grund werden beide Steigeisen genau an den Stiefeln geprüft, die tatsächlich mit auf den Berg gehen.
Reservieren Sie Stiefel und Steigeisen gemeinsam
Buchen Sie Höhenbergstiefel und Steigeisen nach Möglichkeit als ein Paket. Passen Sie zuerst die Stiefel an – die separate Anleitung zur Stiefelanpassung beschreibt diesen Schritt im Detail. Bringen Sie eigene Stiefel mit, teilen Sie Hersteller, Modell und Größe mit und schicken Sie scharfe Fotos von Spitze, Ferse und Sohlenprofil im Voraus. Diese Aufnahmen helfen dem Team, geeignete Varianten vorzubereiten, ersetzen aber keine reale Anprobe.
Bringen Sie beide Stiefel zur Ausgabe mit, auch wenn nur ein Fuß Probleme bereitet hat. Abrieb an der Sohlenkante oder am Rahmen kann die Bindung anders aufnehmen als ein neueres Paar desselben Modells. Der aktuelle Bindungsratgeber von Petzl unterscheidet aus genau diesem Grund zwischen Stiefeln ohne Aufnahmen, mit Fersenaufnahme und mit Aufnahmen an Spitze und Ferse.
Die drei gängigen Bindungssysteme unterscheiden
Riemenbindungen fassen Vorder- und Hinterfuß mit flexiblen Körbchen und kommen ohne feste Aufnahmen am Stiefel aus. Sie sind am anpassungsfähigsten, verlangen aber trotzdem eine passende Sohlenform und ausreichende Steifigkeit. Halbautomatische Systeme kombinieren ein vorderes Körbchen mit einem Fersenhebel und benötigen dafür eine geeignete Fersenaufnahme.
Automatische Bindungen greifen mit einem Metallbügel vorn und einem Hebel hinten in feste Aufnahmen und setzen einen ausreichend steifen Stiefel voraus. „Universal“ heißt nicht, dass die Bindung zu jedem Stiefel passt: Sie kann geschlossen wirken und trotzdem Spiel nach oben, zur Seite oder in der Verdrehung zulassen. Wählen Sie ein System nicht allein deshalb, weil es sich schneller anlegen lässt.
Linkes und rechtes Steigeisen getrennt einstellen
Steigeisen sind nicht spiegelgleich. Ordnen Sie das linke Steigeisen dem linken Stiefel zu, das rechte dem rechten, und stellen Sie den Verbindungssteg so ein, dass Vorder- und Hinterteil der Sohle folgen – ohne große Lücke und ohne weiten Überstand. Der Fersenhebel soll mit spürbarem, kontrolliertem Widerstand schließen; wenn er sich nur mit Kraft schließen lässt, ist das kein Beweis für einen sichereren Sitz.
Prüfen Sie nach dem Einstellen, ob sich der Stiefel im Steigeisen noch nach oben, seitlich oder in der Länge bewegen lässt. Die technische Anleitung von Petzl verlangt ausdrücklich einen Kompatibilitätstest vor dem Einsatz und eine getrennte Einstellung für jeden Fuß. Lassen Sie sich von der Ausgabe die Schließreihenfolge und den korrekten Verlauf der Riemen zeigen.
Zacken und Antistollplatten kontrollieren
Für klassisches Gehen auf Schnee und Gletscher eignet sich in der Regel ein Bergsteigereisen mit waagerechten Frontzacken besser als ein spezielles Modell für steiles Eis. Welches Modell am Ende passt, bestimmen trotzdem Route und Bergführung gemeinsam. Kontrollieren Sie, ob die Zacken nicht übermäßig abgerundet oder beschädigt sind und ob die Verbindungsstege unversehrt sind.
Antistollplatten müssen vorhanden sein und korrekt sitzen. Sie verringern das Anhaften von Schnee, ersetzen aber nicht die Aufmerksamkeit für die Steigeisen während des Gehens. Schneebeschaffenheit, Gehtechnik und Zustand der Ausrüstung wirken hier immer zusammen.
Anlegen mit den vorgesehenen Handschuhen üben
Legen Sie beide Steigeisen mehrfach mit den Handschuhen an und ab, die Sie tatsächlich auf der Route tragen werden. Riemen lassen sich damit festziehen und ohne lange, lose Enden verstauen. Üben Sie vor der Abreise an einem sicheren Ort – nicht zum ersten Mal an einer ausgesetzten Stelle.
Steht im Programm ein Fixseil, ein Gletscherabschnitt oder eine technische Passage, kann der übrige persönliche Satz zusätzlich Klettergurt, Helm, Verschlusskarabiner oder Eispickel umfassen. Diese Teile werden dadurch nicht automatisch notwendig, nur weil Steigeisen ausgewählt wurden – das entscheidet weiterhin die Bergführung.
Nach jedem Stiefelwechsel erneut prüfen
Ein anderes Stiefelmodell oder eine andere Größe macht die vorherige Einstellung ungültig. Gehen Sie zurück zur Ausgabe und lassen Sie beide Steigeisen neu justieren. Das gilt besonders beim Wechsel zwischen doppelwandigen Expeditionsstiefeln, Kunststoffschalenstiefeln, Skitourenschuhen und gewöhnlichem Trekkingschuhwerk.
Häufige Fragen zur Steigeisen-Kompatibilität
Reicht die EU-Schuhgröße zur Auswahl? Nein. Die Größe hilft, den nötigen Verstellbereich des Steges grob abzuschätzen, sagt aber nichts über Aufnahmen, Sohlensteifigkeit oder Sohlenform aus. Zwei Stiefel derselben Größe 43 können unterschiedliche Bindungssysteme und eine unterschiedliche Einstellung verlangen.
Passen Bergsteiger-Steigeisen auch an Trekkingschuhe? Manche Riemenbindungen lassen sich an manchen Trekkingschuhen schließen, doch das Schließen allein beweist nicht, dass der Schuh ausreichend Halt bietet oder für die Route geeignet ist. Klären Sie die Schuhanforderung mit der Bergführung und testen Sie genau das mitgebrachte Paar.
Dürfen die Riemen gekürzt werden? Verändern Sie Leihriemen nicht. Führen Sie sie so, wie es die Ausgabe zeigt, und sichern Sie die Enden entsprechend. Lässt sich ein Riemen mit dem ausgegebenen Stiefel und den eigenen Handschuhen nicht sauber sichern, holen Sie sich Hilfe, statt selbst nachzuschneiden.
Checkliste zur Ausgabe
die genaue Route bzw. das Programm und die Termine wurden übermittelt;
beide tatsächlichen Stiefel wurden zur Anprobe verwendet;
linkes und rechtes Steigeisen wurden getrennt eingestellt;
die Bindung passt zu Aufnahmen, Steifigkeit und Sohlenform;
nach dem Schließen bleibt kein Spiel nach oben, zur Seite oder in der Länge;
Zacken, Stege, Riemen, Fersenhebel und Antistollplatten wurden kontrolliert;
das Anlegen und Ablegen klappt mit Handschuhen;
die Einstellung wird nach jedem Stiefelwechsel wiederholt.